Anton Richard Mayer
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Geboren: 3. Februar 1905 Verstorben: 21. Mai 1977 Anton Richard Johann Mayer wurde am 3. Februar 1905 in Pischelsdorf 17 in der Steiermark geboren. Seine Eltern, Anton und Konstantia Mayer, waren Landwirte und führten ein Gasthaus. Anton Mayer junior wohnte und arbeitete in St. Johann/Pg. und war als Obermüller bei der „ersten Pongauer Walzmühle“ von Anton Gassner beschäftigt. Am 30. September 1939 heiratete er Theresia Oblasser, die Schwester von Margarethe Oblasser. Beide Frauen übersiedelten vom Vorderbrandstätthof in Taxenbach nach St. Johann/Pg., Theresia war Kellnerin im Gasthof Adelsberger und Margarethe arbeitete im Büro von Kaspar Wind. Am 1. April 1941 kam ihr Sohn Anton zur Welt. Ein paar Monate später wurde der Vater Anton Mayer zur Wehrmacht eingezogen und war von September 1941 bis April 1943 in Norwegen stationiert. Nach seiner Rückkehr arbeitete er wieder in der Gassnermühle. Ohne Angaben von Gründen wurde Anton Mayer am 11. Juli 1944 verhaftet und in das Polizeigefängnis Salzburg überstellt. Drei Tage vorher, am 8. Juli 1944, wurde sein Schwager Johann Oblasser vom Vorderbrandstätthof in Taxenbach verhaftet und ins Polizeigefängnis eingeliefert. Einen Monat später, am 11. August 1944, wurden beide gemeinsam mit fünf weiteren Unterstützern der Wenger Widerstandsgruppe ins KZ Dachau deportiert. Seine Häftlingsnummer war 91.546. Kurz danach, am 24. August 1944, wurde er von Dachau ins KZ Natzweiler überstellt. Da die Front der Alliierten heranrückte, wurde ab September 1944 das Stammlager in Natzweiler evakuiert. Anton Mayer kam am 14. September nach Dachau zurück und wurde zwei Wochen später in das Nebenlager Weißsee des KZs Dachau im Oberpinzgau verlegt. Dort musste er bis Ende November im Kraftwerksbau arbeiten. Anschließend erfolgte die Rücküberstellung nach Dachau. Am 12. Dezember 1944 wurde er vom KZ Dachau in das KZ Buchenwald deportiert, wo er im Block Nr. 52 untergebracht war und im Steinbruch arbeiten musste. Im KZ Buchenwald hatte Anton Mayer die Häftlingsnummer 76.762. Mitte April 1945 kam er für drei Tage in das KZ Flossenbürg und musste wie viele andere KZ Häftlinge den Todesmarsch antreten. Am 23. April 1945 wurde Anton Mayer bei Untertraubenbach in Oberbayern von US-amerikanischen Truppen befreit. Von seinen Torturen schwer gezeichnet, kehrte er nach St. Johann/Pg. zurück. Seinen Beruf als Obermüller konnte er nicht mehr ausüben. Anton Gassner, sein früherer Arbeitsgeber, schrieb im Zusammenhang mit dem Opferfürsorgeantrag im Dezember 1952: „Herr Mayer kehrte zu Pfingsten 1945 aus der Haft zurück. Seine Gesundheit war zerstört und war Herr Maier bis Juni 1946 vollständig arbeitsunfähig. Aus diesem Grunde konnte er weder den Posten im Betrieb oder sonst irgendeine Arbeit ständig übernehmen.“ Anton Mayer baute auf den Garagen neben dem Buder-Haus sein Wohnhaus. Er erhielt einen positiven Bescheid im Opferfürsorgeverfahren und lebte in der Nachkriegszeit von Lackierarbeiten, die er für die US-Army in seinem Haus durchführte. Später betrieb er eine Firma für Kochplatten. Einigen St. Johannerinnen und St. Johannern ist er als Kaninchenzüchter in Erinnerung. Anton Mayer junior starb am 21. Mai 1977 in St. Johann im Pongau. Natalie Mayer Original: Why I Speak My Opa survived. He came back from imprisonment. But documents say this husband and father returned a different man, “psychologically broken”. In our family, this history became unspoken. The past remained - quiet, distant - hidden beneath the surface. Upon this silence, my father built a life, strove for excellence, achieved. But, as I discovered for myself what had happened in those dark days, I came to think that the absence of words could not have meant the absence of pain. Only later, through reading, study, and my own lived experience, did I begin to understand how suffering moves, not just through lives, but through generations. What is endured in silence leaves its mark, whether or not we name it. That’s why I speak now. Because what isn’t named cannot be healed. Our ancestors endured what should never be asked of anyone. We speak to honor them. We speak to understand ourselves. We speak so the past doesn’t echo in quiet, unseen ways. Übersetzung: Weshalb ich spreche Mein Opa hat überlebt. Er kam aus der Gefangenschaft zurück. Aber Dokumente besagen, dass dieser Ehemann und Vater als ein anderer Mann zurückkehrte, als ein „psychisch gebrochener“ Mann. In unserer Familie wurde über diese Geschichte geschwiegen. Die Vergangenheit blieb unter der Oberfläche verborgen - leise, weit weg. Auf diesem Schweigen baute mein Vater ein Leben auf, strebte nach Höchstleistungen, erreichte etwas. Doch als ich selbst herausfand, was in jenen dunklen Tagen geschehen war, kam ich zu der Überzeugung, dass die Abwesenheit von Worten nicht die Abwesenheit von Schmerz bedeutet haben konnte. Erst später, durch Lektüre, Studium und meine eigene Erfahrung, begann ich zu verstehen, wie sich das Leid nicht nur durch ein Leben, sondern durch Generationen zieht. Was im Stillen ertragen wird, hinterlässt seine Spuren, ob wir es nun benennen oder nicht. Deshalb spreche ich jetzt. Denn was nicht benannt wird, kann nicht geheilt werden. Unsere Vorfahren haben ertragen, was niemandem zugemutet werden sollte. Wir sprechen, um sie zu ehren. Wir sprechen, um uns selbst zu verstehen. Wir sprechen, damit die Vergangenheit nicht auf leise, unsichtbare Weise nachhallt. |
Quellen:
www.goldeggerdeserteure.at
Gespräch mit Erich Winkler | St. Johann/Pg. | 17. November 2015
E-mail mit Natalie Mayer, Enkelin | 2. Mai 2025
E-mail mit Kathrin Spindelböck, Tochter von Johann Oblasser | 5. Juni 2025
DÖW | SLA
Archiv der Erzdiözese Salzburg
Recherche: Annemarie Zierlinger
www.goldeggerdeserteure.at
Gespräch mit Erich Winkler | St. Johann/Pg. | 17. November 2015
E-mail mit Natalie Mayer, Enkelin | 2. Mai 2025
E-mail mit Kathrin Spindelböck, Tochter von Johann Oblasser | 5. Juni 2025
DÖW | SLA
Archiv der Erzdiözese Salzburg
Recherche: Annemarie Zierlinger