Hermann Schumacher
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Geboren: 16. November 1909 Verstorben: 18. Mai 1959 Hermann Schumacher wurde am 16.11.1909 in Salzburg-Müllegg geboren und war der Sohn von Hermann Schumacher und Theresia Schlosser. Am 10.07.1932 wurde er in Salzburg zum Priester geweiht und seine Primiz feierte er in Oberndorf. Die ersten Stationen seines priesterlichen Lebens waren Kirchberg, Stuhlfelden, Zell am See und Saalfelden. Ab 1938 war er Kooperator in St. Johann/Pg. Sein Vorgesetzter war Dechant Peter Mair. Beide übten Kritik am NS Regime. Während die Haft des Dechants wegen Haftunfähigkeit (er war ca 70 Jahre alt) von kurzer Dauer war, geriet Hermann Schumacher in eine schwierigere Situation. Zwischen den Nationalsozialisten und der Kirche gab es etliche Reibungspunkte: So berichtete das Pfarramt St. Johann am 31. Jänner 1939 über die Entfernung von Büchern aus der Pfarrbibliothek, von den 600 Bänden verblieb nur ein Bestand von vier Büchern. Für Hermann Schumacher, dem Verwalter der Bücherei, war es sehr bitter, die Bücher dem Beauftragten der Deutschen Arbeitsfront übergeben zu müssen. Am 16. September 1941 wurde an den Gauleiter Rainer gemeldet, dass der Kooperator Schumacher in einer Predigt über die Kirchenaustritte sinngemäß sagte: „Es werden den Leuten Zettel vorgeschoben, dass sie aus der Kirche austreten sollen.“ Weiters erklärte er: „Was in der Hl. Schrift jüdisch geschrieben wurde, ist längst gestrichen… Es wird auch gesagt und behauptet, dass wir keine guten Staatsbürger wären. Aber wir sind vielleicht besser als die anderen … Auch den Kindern wird gesagt, sie sollen nicht in die Kirche gehen.“ Bereits damals hieß es im Bericht, dass diesbezüglich staatspolizeiliche Ermittlungen laufen. Am 3. September 1943 wurde Kooperator Hermann Schumacher gefangen genommen und blieb im Landesgericht Salzburg bis zum 9. Oktober 1943 in Haft. In seiner Sachverhaltsdarstellung, abgefasst im Polizeigefängnis, heißt es: „1941 im Sommer lernte ich in einem Privatbad am Zeller See eine Frau Dr. Zarfl und ihre 14jährige Tochter kennen, beide wohnten im Pfarrhof, doch bloß vorübergehend. (…) Im August 1942 besuchte mich die Tochter in Markt Pongau, und auf meine Frage nach ihren Schulergebnissen sagte mir das Mädchen unter Tränen, dass sie aus der Schule ausgeschlossen sei, weil ihre Mutter jüdischer Abkunft wäre. Ich hielt Frau Dr. für eine Halbjüdin. Da mir nichts bekannt war, dass dies verboten wäre, blieb ich mit ihr in einem sehr losen Briefwechsel, den ich nach Möglichkeit kurz hielt, sodass es schließlich fast nur mehr zu Festzeiten zu einem gegenseitigen Schreiben kam (…) Im Mai 1943 wurde ich plötzlich von der Gestapo vorgeladen und nach dem Verhältnis zu Dr. Zarfl befragt. (…) Ich wurde wegen staatsfeindlichen Verhaltens verwarnt, und die Staatspolizei drohte mit Strafe, falls ich nochmals mit der Frau in briefliche Verbindung treten würde. Ich habe von da an nicht mehr geschrieben. (…) Am 3. Sept. wurde ich in Haft genommen: wegen verbotenen Umgangs mit Juden.“ Am 11. Oktober 1943 wurde Hermann Schumacher in das KZ Dachau deportiert und im Block 26, Stube 2 inhaftiert. Er hatte die Häftlingsnummer 56250. Im Mai 1944 wurde er in das Außenlager Plantage Dachau überstellt, dort unterstand er dem Kommando Trockenboden - Gerätehaus. Die Plantage wurde 1938 auf Direktive von Reichsführer SS Heinrich Himmler erbaut. Die SS errichtete durch Zwangsarbeit und willkürlichen Terror unmittelbar östlich des KZ Dachau eine Heilkräuterproduktion. Besonders gefürchtet war das Trockenbodenkommando aufgrund der gesundheitsgefährdenden Staubentwicklung. Anfang 1944 gelang es Hermann Schumacher über seinen ehemaligen Vorgesetzten Dechant Mair einen Briefkontakt zum Erzbischof Andreas Rohracher herzustellen. Damals waren 10 Priester der Erzdiözese Salzburg im KZ Dachau inhaftiert. Am 10. April 1945 wurde Hermann Schumacher aus den KZ Dachau entlassen und kehrte in die Pfarre St. Johann/Pg. (damals Markt Pongau) zurück. Vom 1. Oktober 1945 – bis zum 1. September 1955 war er Stadtvikar in Hallein, anschließend Pfarrer in St. Gilgen. Er starb am 18. Mai 1959 mit 49 Jahren. |
Quellen:
DÖW: Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 – 1945, Bd. 2, 1991
Archiv Dachau
https://plantage-dachau.de/
Schernthaner, Peter: Andreas Rohracher. Erzbischof von Salzburg im Dritten Reich. Salzburg 1994
Stadler, Robert und Mooslechner, Michael: St.Johann/Pg.1938–1945, 1986
https://res.icar-us.eu/index.php/Schumacher,_Hermann_(1909-1959)
https://eplus.uni-salzburg.at/theologische/content/titleinfo/11234357
https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/salzburg/salzburg-st-johannes-am-landeskrankenhaus/TFB6/?pg=28
Recherche: Annemarie Zierlinger
DÖW: Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934 – 1945, Bd. 2, 1991
Archiv Dachau
https://plantage-dachau.de/
Schernthaner, Peter: Andreas Rohracher. Erzbischof von Salzburg im Dritten Reich. Salzburg 1994
Stadler, Robert und Mooslechner, Michael: St.Johann/Pg.1938–1945, 1986
https://res.icar-us.eu/index.php/Schumacher,_Hermann_(1909-1959)
https://eplus.uni-salzburg.at/theologische/content/titleinfo/11234357
https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/salzburg/salzburg-st-johannes-am-landeskrankenhaus/TFB6/?pg=28
Recherche: Annemarie Zierlinger